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Topos Uranos

Zusammenfassung

Diese Lektion untersucht die elementaren Techniken, mit denen man die Elemente einer endlichen Menge zählt, ohne sie einzeln aufzuzählen. Sie definiert die Anzahl der Elemente einer endlichen Menge mithilfe von Bijektionen, beweist aus dieser Definition die Summenregel und die Produktregel, leitet aus ihnen die Anzahl der Permutationen, der Variationen und der Kombinationen her und definiert die Binomialkoeffizienten, deren Symmetrie und deren pascalsche Regel sowohl durch Zählen als auch durch Rechnung bewiesen werden. Danach ordnet sie diese Koeffizienten im pascalschen Dreieck an, beweist durch Induktion den binomischen Lehrsatz, der die binomischen Formeln verallgemeinert, und wendet ihn auf die Entwicklung von Potenzen, auf die Suche nach einem Koeffizienten und auf die numerische Näherung an. Sie ist die letzte inhaltliche Lektion der Einheit über die natürlichen Zahlen, die mit der Lektion zu Synthese und Herausforderungen schließt.

Lernziele

  1. Die Summenregel und die Produktregel anwenden, um ohne Aufzählen zu zählen, und Fälle unterscheiden, wenn sich die Bedingungen einer Auswahl gegenseitig beeinflussen.
  2. Permutationen, Variationen und Kombinationen unterscheiden und ihre Anzahl mithilfe der Fakultät berechnen.
  3. Die Eigenschaften der Binomialkoeffizienten durch Zählen und durch Rechnung beweisen und mit ihnen das pascalsche Dreieck aufbauen.
  4. Den binomischen Lehrsatz beweisen und ihn auf die Entwicklung von Potenzen, auf die Berechnung von Koeffizienten und auf die näherungsweise Berechnung von Potenzen anwenden.

Die Zählprinzipien

Die Elemente einer endlichen Menge zu zählen ist die elementarste Operation der Arithmetik, solange sich die Menge Element für Element durchgehen lässt. Sind die Elemente aber die Arten, eine zusammengesetzte Auswahl zu treffen, etwa zehn Bücher in einem Regal anzuordnen oder aus dreißig Personen eine dreiköpfige Vertretung zu wählen, so wird das Aufzählen undurchführbar, und man erhält die Anzahl, indem man die Auswahl in Teile oder in Stufen zerlegt. Die ganze elementare Kombinatorik beruht auf zwei Prinzipien, die aus einer genauen Definition dessen bewiesen werden, was Zählen bedeutet.

Die Elemente einer Menge zählen heißt, sie zu nummerieren: jeder Zahl von 11 bis nn ein Element zuzuordnen, ohne eines zu wiederholen und ohne eines auszulassen. Man sagt, eine Menge AA hat nn Elemente, wobei nn eine natürliche Zahl ist, wenn es eine Bijektion der Menge {1,2,…,n}\{1, 2, \ldots, n\} auf AA gibt, das heißt eine Funktion, die verschiedene Zahlen auf verschiedene Elemente abbildet und alle Elemente von AA erreicht; die leere Menge hat 00 Elemente, und eine Menge ist endlich, wenn sie leer ist oder nn Elemente hat für eine natürliche Zahl nn. Bijektionen, ihre Verkettung und ihre Umkehrfunktion werden in der Lektion über Mengen, Relationen und Funktionen untersucht.

Vorausgesetzte Tatsache (Anzahl der Elemente). Ohne Beweis wird vorausgesetzt, dass die Anzahl der Elemente einer endlichen Menge wohldefiniert ist: Eine Menge kann nicht zugleich mm Elemente und nn Elemente haben, falls m≠nm \neq n. Ebenso wird vorausgesetzt, dass jede Teilmenge einer endlichen Menge endlich ist.

Beide Tatsachen werden durch Induktion über nn bewiesen; die erste ist im Grunde das Schubfachprinzip, nach dem es keine Funktion gibt, die die n+1n + 1 Zahlen von {1,…,n+1}\{1, \ldots, n + 1\} auf verschiedene Zahlen von {1,…,n}\{1, \ldots, n\} abbildet. Ihre Beweise sind lang und liefern keine Ideen, die später gebraucht werden, und deshalb werden sie vorausgesetzt. Ohne die erste hätte der Ausdruck „die Anzahl der Elemente“ keinen Sinn, und ein kombinatorischer Beweis, der ein und dieselbe Menge auf zwei Arten zählt, könnte nicht schließen, dass die beiden Ergebnisse gleich sind.

PropositionSummenregel

Hat AA genau mm Elemente, hat BB genau nn Elemente und haben AA und BB keine gemeinsamen Elemente, so hat A∪BA \cup B genau m+nm + n Elemente. Die Abbildung verfolgt den Beweis mit m=3m = 3 und n=2n = 2.

Beweis

  1. A={f(1),…,f(m)},B={g(1),…,g(n)}A = \{f(1), \ldots, f(m)\}, \quad B = \{g(1), \ldots, g(n)\}

    Nach Voraussetzung gibt es eine Bijektion ff von {1,…,m}\{1, \ldots, m\} auf AA und eine weitere, gg, von {1,…,n}\{1, \ldots, n\} auf BB: Die Elemente jeder Menge sind ohne Wiederholungen nummeriert.

  2. i≤m ∨ i=m+j,1≤j≤n\dato{p}{i \leq m \ \vee \ i = m + j, \quad 1 \leq j \leq n}

    Nach der Trichotomie erfüllt jede Zahl ii von 11 bis m+nm + n die Bedingung i≤mi \leq m oder i>mi > m; im zweiten Fall ist nach der Definition der Ordnung i=m+ji = m + j für eine natürliche Zahl jj, die nach der Kürzungsregel der Addition eindeutig ist, und nach der Monotonie der Addition gilt j≤nj \leq n.

  3. h(i)=f(i),h(m+j)=g(j)\dato{h}{h(i) = f(i), \quad h(m + j) = g(j)}

    Wir definieren hh auf {1,…,m+n}\{1, \ldots, m + n\}: Die ersten mm Zahlen werden wie mit ff nummeriert und die folgenden nn wie mit gg.

  4. A∩B=∅→f(i)≠g(j)A \cap B = \emptyset \rightarrow \resaltar{f(i) \neq g(j)}

    Die Funktion hh bildet verschiedene Zahlen auf verschiedene Elemente ab: zwei Zahlen aus demselben Teil, weil ff und gg dies tun; zwei Zahlen aus verschiedenen Teilen, weil sie auf ein Element von AA und auf eines von BB gehen, die keine gemeinsamen Elemente haben.

  5. A∪B={h(1),…,h(m),h(m+1),…,h(m+n)}A \cup B = \{h(1), \ldots, h(m), h(m + 1), \ldots, h(m + n)\}

    Die Funktion hh erreicht alle Elemente der Vereinigung: Die Elemente von AA sind Werte von ff und die von BB Werte von gg.

  6. h:{1,…,m+n}→A∪Bh : \{1, \ldots, \resaltar{m + n}\} \to A \cup B

    Folglich ist hh eine Bijektion von {1,…,m+n}\{1, \ldots, m + n\} auf A∪BA \cup B, und die Vereinigung hat m+nm + n Elemente. Ist eine der Mengen leer, so ist die Aussage unmittelbar klar.

Durch Induktion über die Anzahl der Teile überträgt sich die Regel auf jede endliche Anzahl paarweise disjunkter Mengen: Die Vereinigung von A1,…,ArA_1, \ldots, A_r mit n1,…,nrn_1, \ldots, n_r Elementen hat n1+⋯+nrn_1 + \cdots + n_r Elemente, weil die Vereinigung der ersten r+1r + 1 die der ersten rr mit der letzten ist, die mit ihnen keine gemeinsamen Elemente hat. Aus ihr folgt die zweite Regel, die die in Stufen getroffenen Auswahlen zählt.

PropositionProduktregel

Wird eine Auswahl in zwei Stufen getroffen, die erste auf mm Arten und die zweite, wie auch immer die erste ausgefallen ist, auf nn Arten, so kann die vollständige Auswahl auf m⋅nm \cdot n Arten getroffen werden. Die Abbildung zeichnet jede vollständige Auswahl als Punkt in der Zeile ihrer ersten Stufe, mit n=4n = 4.

Beweis

  1. E=E1∪E2∪⋯∪EmE = E_1 \cup E_2 \cup \cdots \cup E_m

    Wir gruppieren die vollständigen Auswahlen nach der ersten Stufe: Es gibt mm Klassen E1,…,EmE_1, \ldots, E_m ohne gemeinsame Elemente, und jede hat nn Elemente, die nn Arten, diese erste Auswahl zu vervollständigen.

  2. 1⋅n=n1 \cdot n = n

    Wir gehen durch Induktion über die Anzahl mm der Klassen vor. Induktionsanfang: Ist m=1m = 1, so liegen alle Auswahlen in E1E_1, das nn Elemente hat.

  3. E1∪⋯∪Ek,k⋅n\dato{h}{E_1 \cup \cdots \cup E_k}, \quad k \cdot n

    Induktionsschritt: Wir nehmen an, dass die Vereinigung von kk Klassen ohne gemeinsame Elemente mit je nn Elementen genau k⋅nk \cdot n Elemente hat.

  4. (E1∪⋯∪Ek)∪Ek+1,k⋅n+n(E_1 \cup \cdots \cup E_k) \cup \resaltar{E_{k + 1}}, \quad k \cdot n + \resaltar{n}

    Die Vereinigung von k+1k + 1 Klassen ist die der ersten kk mit der letzten, die mit ihnen keine gemeinsamen Elemente hat; nach der Summenregel hat sie k⋅n+nk \cdot n + n Elemente.

  5. k⋅n+n=(k+1)⋅nk \cdot n + n = \resaltar{(k + 1) \cdot n}

    Nach dem Lemma S(k)⋅n=k⋅n+nS(k) \cdot n = k \cdot n + n, das beim Beweis der Kommutativität der Multiplikation in der Lektion über die Grundrechenarten bewiesen wurde, ist diese Anzahl (k+1)⋅n(k + 1) \cdot n.

  6. E1∪⋯∪Em,m⋅nE_1 \cup \cdots \cup E_m, \quad \resaltar{m \cdot n}

    Nach dem Induktionsprinzip hat die Vereinigung von mm Klassen genau m⋅nm \cdot n Elemente: Die vollständige Auswahl kann auf m⋅nm \cdot n Arten getroffen werden. In der Abbildung ist 3⋅4=123 \cdot 4 = 12.

Ebenso überträgt sich die Produktregel durch Induktion über die Anzahl der Stufen auf jede endliche Anzahl von ihnen: Eine Auswahl in rr Stufen, die jeweils auf n1,n2,…,nrn_1, n_2, \ldots, n_r Arten getroffen werden können, kann auf n1n2⋯nrn_1 n_2 \cdots n_r Arten getroffen werden. Zum Beispiel gibt es im Dezimalsystem, das in der Lektion über Stellenwertsysteme untersucht wurde, 9⋅10⋅10=9009 \cdot 10 \cdot 10 = 900 dreistellige Zahlen, weil die erste Ziffer nicht 00 sein kann und die beiden anderen frei sind. Man beachte, dass die Produktregel verlangt, dass die Anzahl der Möglichkeiten jeder Stufe nicht von der vorherigen Wahl abhängt, auch wenn die Möglichkeiten selbst davon abhängen; ist diese Bedingung verletzt, so unterscheidet man Fälle, in denen sie erfüllt ist, und addiert deren Ergebnisse mit der Summenregel.

Die aufeinanderfolgenden Stufen einer Auswahl stellt man mit einem Baumdiagramm dar: Von einem Anfangspunkt, der Wurzel, gehen so viele Äste aus, wie die erste Stufe Möglichkeiten hat; vom Ende jedes Astes so viele, wie die zweite hat, und so weiter. Jeder Weg von der Wurzel bis zu einem Endpunkt, einem Blatt, ist eine vollständige Auswahl, und die Produktregel zählt die Blätter, ohne sie zu zeichnen.

BeispielDreistellige Zahlen aus den Ziffern 11, 22 und 33

Man zähle die dreistelligen Zahlen, die sich mit den Ziffern 11, 22 und 33 ohne Wiederholung schreiben lassen, und vergleiche sie mit denen, die man erhält, wenn Wiederholung erlaubt ist.

Beweis

  1. 3\resaltar{3}

    Die erste Ziffer kann jede der drei sein: Von der Wurzel gehen drei Äste aus.

  2. 3⋅2=63 \cdot \resaltar{2} = \resaltar{6}

    Ist die erste Ziffer gewählt, so bleiben für die zweite zwei übrig, wie auch immer die erste lautet: Jeder Ast teilt sich in zwei, und nach der Produktregel gibt es sechs mögliche Anfänge.

  3. 3⋅2⋅1=6\dato{p}{3 \cdot 2 \cdot \resaltar{1} = \resaltar{6}}

    Für die dritte Ziffer bleibt nur eine Möglichkeit, sodass jeder Anfang auf genau eine Weise vervollständigt wird.

  4. 123, 132, 213, 231, 312, 321123, \ 132, \ 213, \ 231, \ 312, \ 321

    Die Blätter des Baumes, von der Wurzel aus gelesen, sind die sechs gesuchten Zahlen, der Größe nach geordnet.

  5. 3⋅3⋅3=27\resaltar{3 \cdot 3 \cdot 3} = \resaltar{27}

    Ist es erlaubt, Ziffern zu wiederholen, so hat jede Stufe drei Möglichkeiten, und der Baum hat viel mehr Blätter als im Fall ohne Wiederholung.