Zusammenfassung
Diese Lektion untersucht die Primzahlen, die Atome der Multiplikation der natürlichen Zahlen. Sie beweist, dass jede natürliche Zahl größer als einen Primteiler hat, stellt das Sieb des Eratosthenes vor und den Grund, warum es genügt, bis zur Quadratwurzel zu sieben, und beweist mit Euklid, dass es unendlich viele Primzahlen gibt. Danach beweist sie das Lemma von Euklid, nach dem eine Primzahl, die ein Produkt teilt, einen seiner Faktoren teilt, und mit ihm den Fundamentalsatz der Arithmetik: Jede natürliche Zahl größer als lässt sich auf genau eine Weise als Produkt von Primzahlen schreiben. Aus der Primfaktorzerlegung folgen die Anzahl der Teiler einer natürlichen Zahl, die Charakterisierung der Quadratzahlen und die Irrationalität der Quadratwurzel jeder natürlichen Zahl, die keine Quadratzahl ist.
Lernziele
- Die Primzahlen von den zusammengesetzten Zahlen unterscheiden und beweisen, dass jede natürliche Zahl größer als einen Primteiler hat.
- Das Sieb des Eratosthenes anwenden und begründen, warum es genügt, die Vielfachen der Primzahlen zu streichen, die nicht größer als die Quadratwurzel der Grenze sind.
- Die Unendlichkeit der Primzahlen, das Lemma von Euklid sowie die Existenz und die Eindeutigkeit der Primfaktorzerlegung beweisen.
- Die Primfaktorzerlegung nutzen, um Teiler zu zählen und aufzulisten, Quadratzahlen zu erkennen und die Irrationalität von Quadratwurzeln zu beweisen.
Primzahlen und zusammengesetzte Zahlen
In der Lektion über Teilbarkeit und Division mit Rest wurde gezeigt, dass jede natürliche Zahl durch und durch sich selbst teilbar ist. Manche natürliche Zahlen haben keine anderen Teiler als diese beiden; sie sind die Bausteine, aus denen sich durch Multiplikation alle anderen zusammensetzen.
Definition (Primzahl). Eine natürliche Zahl heißt Primzahl, wenn gilt und ihre einzigen Teiler und sind. Eine natürliche Zahl , die keine Primzahl ist, heißt zusammengesetzt: Sie lässt sich als schreiben, mit und . Die Zahl ist weder Primzahl noch zusammengesetzt.
Die Primzahlen kleiner als sind die folgenden fünfzehn:
Die Zahl ist die einzige gerade Primzahl, weil jede andere gerade Zahl den Teiler hat, der von und von ihr selbst verschieden ist. Der Ausschluss der ist keine Laune der Definition: Wäre eine Primzahl, so wäre die Primfaktorzerlegung nicht mehr eindeutig, weil gilt, und der zentrale Satz dieser Lektion müsste mit einer Ausnahme formuliert werden.
Das Wohlordnungsprinzip
Die Beweise dieser Lektion stützen sich auf eine Form des Induktionsprinzips, die für Überlegungen über Teiler besonders bequem ist: das Wohlordnungsprinzip, nach dem jede nichtleere Menge natürlicher Zahlen ein kleinstes Element hat. Es wurde in der Lektion über Summen, arithmetische und geometrische Folgen und Induktion aus der starken Induktion hergeleitet und wird hier verwendet, ohne seinen Beweis zu wiederholen.
Jede natürliche Zahl größer als 1 hat einen Primteiler
Das erste Ergebnis der Lektion stellt sicher, dass keine natürliche Zahl größer als den Primzahlen entgeht: Es gibt stets eine, die sie teilt, und man findet sie unter den kleinsten Teilern.
Jede natürliche Zahl hat einen Primteiler: Der kleinste Teiler von , der größer als ist, ist eine Primzahl. Ist außerdem zusammengesetzt, so erfüllt ihr kleinster Primteiler die Ungleichung . Die Abbildung markiert auf der Zahlengeraden die Teiler von .
Beweis
Die Menge der Teiler von , die größer als sind, ist nicht leer, weil sie selbst enthält; nach dem Wohlordnungsprinzip hat sie ein kleinstes Element .
Wäre zusammengesetzt, also mit , so würde der Faktor die Zahl teilen und, wegen der Transitivität der Teilbarkeit, auch : Er wäre ein Element von , das kleiner als ist, im Widerspruch zur Wahl von . Folglich ist eine Primzahl.
Sei nun zusammengesetzt, und sei ihr kleinster Primteiler, der das kleinste Element von ist. Wir schreiben ; da keine Primzahl ist, gilt , und auch teilt .
Wegen der Minimalität von gilt , und die Monotonie der Multiplikation liefert die Abschätzung.
Um zu entscheiden, ob eine natürliche Zahl eine Primzahl ist, genügt es folglich, die Primzahlen mit zu prüfen: Teilt keine von ihnen die Zahl, so ist eine Primzahl. Zum Beispiel genügt es für , die Primzahlen bis zu prüfen, denn es gilt : Die Zahl ist weder durch noch durch , , oder teilbar, wohl aber durch , und es ist . Dagegen ist durch keine der Primzahlen , , , , und teilbar, und wegen ist die Zahl eine Primzahl.
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